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Natur vor der Haustür

Moore – unentbehrliche Ökosysteme für Klima- und Artenschutz

Moore sind weit mehr als unheimliche Orte für Gruselgeschichten, in denen Menschen verschwinden und nie mehr auftauchen. Vor allem sind sie unentbehrliche Wasser- und Kohlenstoffspeicher und beherbergen viele seltene Tiere und Pflanzen, die sich an die extremen Lebensbedingungen perfekt angepasst haben. Viele dieser hoch spezialisierten Arten sind heute vom Aussterben bedroht, da Moore zunehmend entwässert wurden, um sie land- oder forstwirtschaftlich bzw. für den Torfabbau zu nutzen.

 

Moor ist nicht gleich Moor

Moore entstehen durch die Verlandung von Seen. Absterbende Pflanzenteile werden aufgrund von Sauerstoffmangel nur unvollständig oder gar nicht zersetzt. Damit beginnt die Torfbildung. Ein Standort verdient die Bezeichnung „Moor“, wenn die Torfschicht mindestens 30 cm dick ist.

 

Je nachdem, woher das Wasser kommt, das den Moorkörper speist, unterscheidet man verschiedene Moortypen:

Niedermoore: Hier besteht einen Verbindung zwischen Moorkörper und Grundwasser, weshalb gelöste Mineralien aufgenommen werden und bis in die oberen Torfschichten gelangen. Niedermoore sind daher wesentlich nährstoffreicher und weniger sauer als Hochmoore (pH-Wert in der Regel über 4,5). Unter diesen Bedingungen wachsen vorwiegend Seggen- und Röhrichtarten, aber auch Moorbirken, Erlen, Weiden und Fichten.

Die größten Niedermoore im Landkreis Starnberg sind das Ampermoos und das Leutstettener Moos.

Zur Gruppe der Niedermoore gehören auch die Hangquellmoore. Aufgrund des sauerstoffreichen Quellwassers bilden sie geringere Mengen Torf.

 

Übergangs- und Zwischenmoore: Wenn die Torfschicht eines Niedermoores über den vom Bodenwasser beeinflussten Bereich hinaus wächst, wird sie zusätzlich von oben durch das Regenwasser gespeist. Damit sinkt der pH-Wert und die Nährstoff- und Sauerstoffversorgung verringert sich. Das Stadium zwischen Nieder- und Hochmoor wird in niederschlagsreichen Regionen als Übergangsmoor bezeichnet. Sind die Niederschläge geringer, sodass der Bewuchs auch auf Bodenwasser angewiesen ist, verbleibt das Moor in diesem Zustand (Zwischenmoor).

 

Hochmoore (= Regenmoore): Wächst die Torfschicht immer weiter, dann wölbt sich irgendwann die Oberfläche und der Kontakt zum Grundwasser geht verloren. Folglich werden die Torfbodenschichten nur noch von Regenwasser gespeist. Wegen der nun fehlenden Verbindung zum Grundwasser findet kein Ionenaustausch mehr mit dem Mineralboden statt. Deshalb sind Hochmoore nährstoffärmer und saurer (pH-Wert meist unter 3,5) als Niedermoore.

Torfmoose, die in den Hochmooren zur Torfbildung beitragen, lassen diese jährlich bis zu 1 mm wachsen. Die extrem angepassten Pflanzen können wie ein großer Schwamm mehr als das 30-Fache ihrer Trockenmasse an Wasser speichern. Darüber hinaus gedeihen unter diesen Bedingungen Heidekraut, Wollgras, Seggen- und Binsenarten sowie der Sonnentau.

Das entwässerte Hochmoor im Kerschlacher Forst wird derzeit renaturiert.

 

Mit den Mooren verschwindet die charakteristische Flora und Fauna

Die meisten Tiere und Pflanzen, die sich an die extremen Bedingungen der Moore angepasst haben, verlieren mit deren Zerstörung ihren Lebensraum. Nur einige Beispiele für die vom Aussterben bedrohten Arten sind die Zwerg-Birke, das Zierliche Wollgras, der Hochmoor-Laufkäfer, die Hochmoor-Mosaikjungfer und die Alpen-Smaragdlibelle.

 

So geht Klimaschutz

Revitalisierung der Moore: 7% der CO2-Emissionen in Deutschland kommen aus Mooren. Die Schadstoffe werden dann frei, wenn die Moore trockengelegt werden und im abgelagerten Torf Abbauprozesse mit dem Sauerstoff aus der Luft in Gang kommen. Um die CO2-Emission zu verringern und einen intakten Wasserhaushalt zu erreichen ist eine Wiedervernässung der drainierten Moore unverzichtbar. Schätzungen zufolge könnten damit in Deutschland bis zu 35 Mio. Tonnen CO2-Äquivalente pro Jahr eingespart werden.

 

Verzicht auf Torf im Garten: Torf wächst  nur langsam (etwa 1 mm pro Jahr), gleichzeitig wird er viel zu schnell abgebaut. Deshalb sollte man auf Alternativen wie Kompost, Rindenhumus, Fasern aus Holz-, Kokos- oder Chinaschilf oder Hanf setzen.

 

Zukunftsprojekt Paludikultur

„Paludikultur (Paludus = Sumpf; Moor) ist ein Verfahren zur nassen Bewirtschaftung von Mooren mit Torferhalt oder im Idealfall sogar Torfbildung“ (BfN). Grundlage der Paludikultur sind vor allem wiedervernässte Hoch- und Niedermoorböden ohne Schutzstatus.

Auch wenn sich die Methode noch im Versuchsstadium befindet, erscheint sie doch vielversprechend, um den Schutz des Klimas und die landwirtschaftliche Nutzung von Mooren in Einklang zu bringen: So trägt der Torferhalt zum Klimaschutz bei, der Nährstoffrückhalt zum Gewässerschutz, der Erhalt des Lebensraums zum Artenschutz, und gleichzeitig dient die Paludikultur der nachhaltigen Rohstoffgewinnung.

Angebaut werden je nach Standort Schilf, Röhricht, Großseggenried, Torfmoose oder Schwarzerlen. Schilf etwa kann zur Isolierung und für Verpackungen verwendet werden, aus Röhricht entstehen neue Baustoffe und Torfmoose dienen als Torfersatz in Substraten für den Gartenbau. Sogar die Halbleiterindustrie hat ein Auge auf das Schilf geworfen: Aus den in der Pflanze enthaltenen Silikaten kann Silizium gewonnen werden, das als Elektrodenmaterial verwendet wird.

 

Text: Christine Starostzik (28. 4. 2022)

 

Quellen:

Carl von Ossietzky Universität Oldenburg: www.hydrologie.uni-oldenburg.de/ein-bit/11814.html

Bundesamt für Naturschutz (BfN): www.bfn.de/moore

www.baysf.de/de/wald-schuetzen/naturschutzprojekte/forstbetrieb-berchtesgaden/biotoppflege-erhalt-von-hangquellmooren.html

Freibauer, A. et al. 2009: Das Potenzial von Wäldern und Mooren für den Klimaschutz in Deutschland und auf globaler Ebene. In: Natur und Landschaft: Zeitschrift für Naturschutz und Landschaftspflege 84, S. 20–25.

https://www.bfn.de/paludikultur

Universität Greifswald: mowi.botanik.uni-greifswald.de/de/paludikultur/paludikultur.php

www.chemie.de/news/153691/die-verborgene-kraft-im-schilf.html

Quiringer, B. 2003. Zustandserfassung hochwertiger Lebensräume des südwestlichen Andechser Höhenrückens