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Natur vor der Haustür

Artenvielfalt in die Landwirtschaft

Die Kreisgruppe Starnberg versucht zum Beispiel mit dem Ackerwildkrautprojekt ganz praktisch zu zeigen, wie Landwirtschaft und Artenvielfalt zusammen passen können oder mit den Landwirtschaftstagen in Wartaweil im Dialog mit Landwirten, Naturschützern und Verbrauchern gangbare Wege zu diskutieren. Wir wollen auch wieder mit dem Amt für Landwirtschaft zusammen Hofbesichtigungen durchführen für ein besseres gegenseitiges Kennenlernen. Gerne arbeiten wir mit unserem Amt für Landwirtschaft in Weilheim zusammen, sowie mit den Bauernverbänden, den Anbauverbänden und mit der Landesanstalt für Landwirtschaft.

Drei Landwirtschaftstage haben wir in Wartaweil zusammen mit dem AELF in Weilheim, dem Bayerischen Bauernverband und der Landesanstalt für Landwirtschaft zu den drei Themen Wiese, Acker, und Boden durchgeführt.


Landwirtschaftstage in Wartaweil

Auf den Landwirtschaftstagen in Wartaweil sprechen wir über Themen aus dem Spannungsfeld von Landwirtschaft und Naturschutz. Hier bietet die Kooperation zwischen BUND Naturschutz, Amt für Ernährung Landwirtschaft und Forsten in Weilheim und der Bayerische Bauernverband eine sehr dynamische Diskussionsbasis.

Dieses Format wollen wir in den nächsten Jahren gerne fortsetzen und durch gemeinsamen Hofbesichtigungen ergänzen. Wer zu den nächsten Veranstaltungen eingeladen werden möchte, melde sich bitte bei uns in der Geschäftsstelle:

Tel. 08152 3990025 | starnberg@bund-naturschutz.de


Artenvielfalt in der Landwirtschaft: Wie kann das gelingen? (Erster Landwirtschaftstag)

Eine Chance für mehr Artenvielfalt in der Landwirtschaft gibt es dann, wenn Naturschützer und Landwirte an einem Strang ziehen. Unter diesem Motto organisierte die Kreisgruppe Starnberg gemeinsam mit dem Bayerischen Bauernverband, dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Weilheim und dem Naturschutz- und Jugendzentrum Wartaweil einen Austausch, um gangbare Wege zu suchen, wie man der schwindenden Artenvielfalt in der Landschaft gemeinsam begegnen kann.
Um die 100 Landwirte und Naturschützer hörten von drei unterschiedlich wirtschaftenden Landwirten, welche Ansätze sie zum Erhalt und zur Verbesserung der Artenvielfalt haben. Sie haben sich in einem Multivisionsvortrag in das vielfältige Leben einer artenreichen Wiese entführen lassen, haben sich von verschiedenen Experten beraten lassen können und diskutiert, was man gegen den Artenschwund machen kann.
Alois Kramer aus Krün stellte seinen konventionell wirtschaftenden Betrieb vor. Obwohl er (wie auch der Bayerische Bauernverband) das Volksbegehren zur Artenvielfalt kritisierte, kann Kramer als Güllebetrieb mit Vierschnittwiesen eine enorme Biodiversität auf seinem Betrieb halten. Die schwer zu bewirtschaftenden Schotterflächen und Buckelwiesen bieten dafür natürlich eine günstige Ausgangssituation.
Johann Drexl aus Landsberg am Lech präsentierte, wie er mit Blühstreifen und Lerchenfenstern sogar auf der intensiv beackerten Landsberger Platte noch Möglichkeiten für Insekten und Vögel schafft.
Norbert Grenzebach, Biolandwirt aus Hochstadt, zeigte, dass es durchaus möglich ist, die Artenvielfalt auf landwirtschaftliche Flächen zurückzuholen. Man muss nur wissen, worauf es ankommt und viel Geduld aufbringen, dann kann aus einfachen Anfängen etwas Wunderbares werden.
Auch Dominik Fehringer, Wildlebensraumberater vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten motivierte, zur Tat zu schreiten und klärte über die Fördermöglichkeiten aus dem Kulturlandschaftsprogramm der bayerischen Staatsregierung auf.
Roland Günter entführte die Teilnehmer mit einem Multivisionsvortrag in das vielfältige Leben einer artenreichen Wiese und ihrer komplizierten Nahrungskette. Sein Fazit aus biologischer Sicht lautete, dass wir keine Zeit mehr für Spielereien haben, sondern wirklich alles tun müssen, um die Artenvielfalt zu retten. Mit seinen wundervollen Fotos öffnete er so manchem Teilnehmer die Augen. Für andere war es schwer zu ertragen, einen so intensiven Einblick in das vielfach verflochtene Netz des Lebens zu erhalten, das uns alle trägt, aber überall schon in Fetzen hängt.
Nach Diskussionen und Fragen an Experten konnte man feststellen, dass es gute Ansätze gibt, aber auch viele Zwänge, die ein wirkliches Vorankommen erschweren. Eine wichtige Rolle spielen die Verbraucher, die aber ihre Marktmacht nicht richtig nutzen können, weil es noch zu wenige sind, die sie konsequent anwenden und nur saisonale, regionale und  möglichst biologische Lebensmittel nachfragen.
Gemeinsam müssen wir es schaffen, die Vielfalt in die Landschaft zurückzuholen. Machen Sie mit!
 


Landwirte und Naturschützer wollen beim Arten- & Klimaschutz vorankommen (Zweiter Landwirtschaftstag)

Am 07. März 2020 haben wir zum zweiten mal gemeinsam mit dem Bauernverband und dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Weilheim im Naturschutz- und Jugendzentrum in Wartaweil eine Veranstaltung zum Thema „Artenvielfalt in der Landwirtschaft“ auf die Beine gestellt, dieses Mal mit dem Schwerpunkt Ackerbau.
Mit dem Bauernverband und dem AELF Weilheim arbeiten wir zusammen, weil wir sicher sind, dass man nur im Dialog und im gesamtgesellschaftlichen Schulterschluss effektiv etwas für den Artenschutz erreichen kann. Ein Miteinander von Landwirtschaft und Umweltschutz ist in Zeiten des massiven Artensterbens und des Klimawandels unabdingbar.
Fachvorträge der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft, der Bayerischen Kulturlandstiftung und der Beratung des ökologischen Anbauverbands Naturland haben den rund 100 Teilnehmern aus Naturschutz und Landwirtschaft gezeigt, was im Ackerbau unternommen werden kann, um dem Artenschwund entgegenzuwirken.
Dr. Annette Freibauer, Institutsleiterin an der Landesanstalt für Landwirtschaft, zeigte auf, dass eine kleinstrukturierte Feldflur und der Ökolandbau insbesondere wegen des dortigen Verzichts auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel hier besonders positive Effekte haben. Die beiden Kreisobmänner des Bayerischen Bayernverbandes aus Starnberg und Landsberg, Georg Zankl und Johann Drexl, schilderten aus ihrer landwirtschaftlichen Praxis, was sie für Arten- und Klimaschutz bereits leisten. Im Fokus stand dabei der Humusaufbau durch Einarbeiten des Strohs und der Zwischenfrüchte in den Boden, eine weite Fruchtfolge, die Verringerung von Pestiziden und das Anlegen von Hecken in der Landschaft. Der Biolandwirt Stefan Kreppold betonte, wie dringend es ist, den Pestizideinsatz deutlich zu verringern.
Natürlich wurde auch die Forderung an die Politik gestellt, Gemeinwohlleistungen einer nachhaltigen Landbewirtschaftung noch besser zu vergüten und die Forderung an den Verbraucher gerichtet, endlich die Leistung der Landwirte, die nachhaltig regional und ökologisch produzieren, auch zu honorieren. Wer nur bereit ist, Dumpingpreise zu bezahlen, wird keinen Arten- und Klimaschutz bekommen. Die Agrarwende muss von unten getragen werden.
Marion Lang von der Bayerischen Kulturlandstiftung stellte die Bedeutung und Gefährdung der Ackerwildkräuter vor. Sie und Manuel Mühlbauer von Naturland gaben praktische Tipps, was Landwirte für die selten gewordene Begleitflora früherer Äcker tun können und wie die Maßnahmen auch finanziell gefördert werden.
Mit dem Lichtbildervortrag des Fotografen und Biologen Roland Günter wurde den Teilnehmern drastisch vor Augen geführt, dass – fast noch unbemerkt von der Öffentlichkeit – Ökosysteme in der Landschaft zusammenbrechen. Hecken, Feldraine, Bäche und Felder sehen für den Laien oft noch nach intakter Natur aus, sind aber teils schon schwer geschädigt und können ihre Funktion als Lebensraum oder Vernetzungsstruktur nicht mehr erfüllen. Dabei dürfe nicht die Frage im Raum stehen, wer daran schuld ist, sondern wie das möglichst schnell geändert werden kann. Hierbei sind auch die Kommunen und die privaten Grundbesitzer gefragt, Wegränder, Hecken und freie Flächen mit heimischen Pflanzen und Gehölzen als Biotopverbund wieder herzustellen.
Auf einem „Markt der Möglichkeiten“ haben sich die Teilnehmer über verschiedene erfolgreiche Projekte zur Förderung der Artenvielfalt informiert und sind über die verschiedenen positiven Ansätze miteinander ins Gespräch gekommen. Dazu zählen unter anderem: Erzeugung und Vermarktung von regionalen und biologischen Produkten, Solidarische Landwirtschaft, Ackerwildkraut-Patenschaften, Arbeitskreis bäuerliche Landwirtschaft, Vermarktung mit Hilfe des Bayerischen Ökosiegels sowie Zusammenarbeit mit den Landwirten bei der AWA Ammersee. Alles hervorragende Ansätze, die funktionieren und den Artenschutz unterstützen können.
Das Schlusswort kam vom Ministerialdirigenten Wolfram Schöhl aus dem Bayerischen Landwirtschaftsministerium, der an alle Teilnehmer appellierte, jeder müsse sich in seinem Bereich für mehr Artenvielfalt einsetzen. Schöhl wünschte sich, dass diese Veranstaltungsreihe fortgesetzt wird, weil Lösungen nur gefunden werden können, wenn man sich gemeinsam mit den dringenden Problemen beschäftigt und im Dialog miteinander bleibt.
Wir bleiben dran und planen schon die nächste Veranstaltung, bei der wir uns mit den Chancen und Möglichkeiten aus dem Volksbegehren zur Rettung der Bienen befassen wollen.
 


Ein gesunder Boden ermöglicht eine resiliente Landwirtschaft (Dritter Landwirtschaftstag)

Mehr als 50 Teilnehmer folgten der Einladung zum 3. Landwirtschaftstag in Wartaweil am 25. und 26. März 2022. Der BN, der Bayerische Bauernverband (BBV) und das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Weilheim (AELF) hatten sich diesmal das Bodenleben als Thema vorgenommen. Ziel dieser Begegnung war es, Landwirtschaft, Naturschutz und Gesellschaft wieder in einen intensiven Austausch miteinander zu bringen.
In einem Workshop mit dem Titel „Humus sapiens Bodenorganismen“ konnten die Teilnehmenden gemeinsam mitgebrachte Bodenproben aus Ackerflächen und Wiesen untersuchen. Schnell wurde klar, dass ein Boden auf Dauer nur dann gute landwirtschaftliche Erträge liefern kann, wenn ein vielfältiges und aktives Bodenleben vorhanden ist. In seinem Referat am Nachmittag erläuterte Dr. Julian Chollet (Gesellschaft für mikroBIOMIK) genau, worauf es ankommt, wenn man die Vielfalt im Boden fördern will. Bodenlebewesen wie Pilze, Amöben, Bakterien und Viren haben alle ihre Aufgaben. Sie sorgen für ein stabiles Ökosystem, damit Pflanzen mit Nährstoffen versorgt sind und Humusaufbau, Wasserhaushalt und Erosionsschutz funktionieren können. Beeindruckend waren die sogenannten „Wurzelhosen“, wie Garnet Wachsmann (Bildungsreferentin der Energiewende Oberland) diese betitelte, welche an den Wurzeln von Pflanzen im gesunden Boden haften.
Das Pilzgeflecht, das in einer Symbiose mit der Pflanze lebt und sich mit ihr austauscht, spielt dabei eine enorme Rolle. So sollte man dem Boden möglichst viel Ruhe gönnen und mit standortangepassten Bewirtschaftungskonzepten das Bodenleben fördern. Dazu gehören Agroforstsysteme, vielfältige Fruchtfolgen, organische Düngung und bodenschonende Anbauverfahren. Auch Ackerrandstreifen und Heckenstrukturen fördern die Bodenvielfalt.
Der Vortrag von Roswitha Walter (Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft) bestätigte die Notwendigkeit der oben genannten Maßnahmen zum Erhalt der landwirtschaftlichen Erträge, die auch zum Schutz und Förderung der 25 in Bayern auf landwirtschaftlichen Flächen vorkommenden Regenwurmarten dienen. In der Diskussion zeigte sich, dass gerade junge engagierte Landwirte sich intensiv mit Nachhaltigkeitsfragen in der Landwirtschaft beschäftigen. „Unsere jungen Landwirte genießen eine hervorragende Ausbildung“, so Dr. Stefan Gabler (AELF und Ökoschulleiter). So werden in den landwirtschaftlichen Fachschulen den künftigen Betriebsleitern praktische Forschungsergebnisse der Landesanstalt beispielsweise auch hinsichtlich einer nachhaltigen Bodenbewirtschaftung vermittelt.
Die sehr engagierten Landwirte, die an der Informationsveranstaltung teilgenommen haben, konnten deutlich machen, wie sehr ihnen die Gesundheit des Bodens am Herzen liegt.
Die abschließende Diskussion zeigt die Unzufriedenheit mit dem bestehenden System auf, sowohl von landwirtschaftlicher Seite als auch vom Naturschutz. Ein „Weiter so“ können sich alle nicht vorstellen. Der Flächenverbrauch dürfe so nicht weiter vorangetrieben werden, forderte Ralf Huber (Bezirkspräsident Oberbayern des BBV). „Kreisläufe sollten zu Ende gedacht werden, auch im Hinblick auf staatliche Vorgaben. Hier braucht es mehr Verständnis von der politischen Seite“.
Stephan Kreppold (BN-Arbeitskreis Landwirtschaft) kritisierte die zu starke Verdichtung der Äcker durch Großmaschinen und Bewirtschaftungsfehler, deren Folge die Zerstörung einer gesunden Bodenstruktur ist. Er mahnte zu einem achtsameren Umgang mit dem Boden, der nur in einem guten Zustand einen dauerhaft hohen Ertrag sichern würde. Im Hinblick auf den Ukraine-Krieg wurde appelliert, jetzt auf keinen Fall die schon entwickelten Maßnahmen in der Landwirtschaft zur Förderung der Artenvielfalt und des Klimaschutzes fallen zu lassen. Auch einen generellen Verzicht auf manchen „Luxus“, den sich unsere Gesellschaft vielfach leistet, und einen besseren und bewussteren Umgang mit Lebensmitteln wünschten sich viele Teilnehmer:innen. Dies würde auch den Import von Futtermitteln aus Ländern, die dafür Regenwälder abholzen, reduzieren.
Schon im 3. Jahrtausend v. Chr. kam es beim Volk der Sumerer durch die nicht-nachhaltige Bewirtschaftung des Bodens und eine Bürokratie, die notwendige Veränderung verhinderte, zum Niedergang einer Hochkultur, erinnerte Dr. Julian Chollet. Das stete Wachstum der Betriebe und der Wirtschaft erscheinen nicht mehr zeitgemäß. Wir benötigen einen resiliente, eine widerstandsfähige, Landwirtschaft.


Ackerwildkrautprojekt

Seit 2019 begleitet die Kreisgruppe Starnberg ein Patenschaftsprojekt der Familie Koböck (Landwirte in Unterbrunn, Gemeinde Gauting), bei dem Ackerwildkräuter gefördert werden. Es ist ein aktuelles Projekt, das auch Sie unterstützen und fördern sollten.

www.bluehpatenschaft-muenchen.de/bluehflaeche-ackerwildkraeuter

Dadurch, dass die jeweilige Feldfrucht im doppelten Reihenabstand eingesät, nicht mit Pestiziden gearbeitet und die Fläche nicht gedüngt wird, können sich vielfältige und seltene Ackerwildkräuter entwickeln und vermehren. Sie dienen damit Insekten, Spinnen und Vögeln als Lebensraum und als Nahrungsgrundlage.

Im ersten Jahr wurde Hafer eingesäht, im zweiten Dinkel, im dritten Öllein mit einem Streifen Gerste und im vierten Jahr des Projekts die Weizenart Emmer.

Die Fläche entwickelt sich immer besser. Es ist eine große Freude zu beobachten, wie viele Pflanzen und Tiere sich mittlerweile in diesem Feld wohlfühlen.

Hier finden Sie den Flyer »Ackerwildkräuter fördern – Infos und Tipps für die landwirschaftliche Praxis« (PDF-Datei)

Hier finden Sie Erläuterungen zu dem Patenschaftsprojekt.

Und hier den Zwischenbericht 2020.