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Natur vor der Haustür

Frauenschuh (Cypripedium calceolus)

Gründe für Auswahl: Im Bayern insgesamt auf Kalkgebiete beschränkte Orchideenart (s. SCHÖNFELDER & BRESINSKY 1990: Karten-Nr. 2442); im Alpenvorland mit deutlichen Schwergewicht im vergleichsweise kalkreichen Ammer-Loisach-Vorland entlang der Isar und des Lechs. Nachdem der Frauenschuh nicht nur in Anhang II, sondern auch in Anhang IV der FFH-Richtlinie aufgeführt ist, gehört er nach europäischen Rechtsvorgaben ganz allgemein zu den streng geschützten Pflanzenarten, für welche hohe gesetzliche Erhaltungsverpflichtungen gelten. 

Rote-Liste Einstufung Bayern: Gefährdet (Grad 3). 

Rote-Liste Voralpines Hügel- und Moorland: Gefährdet (Grad 3).

Standort: Im Gebiet auf kalkreichen, meist mäßig fischen bis mäßig trockenen sandig-lehmigen, humosen Böden an halb-belichteten bis halb-schattigen Standorten. Volle Besonnung und lichtarmer Vollschatten werden vom Frauenschuh nicht vertragen. Der Frauenschuh kommt nur an Stellen vor, an denen sich für diese Orchideenart geeignete Pilzarten befinden, mit welchen er eine Mykorrhiza bilden kann. Deshalb ist er ganz allgemein selten.

Vergesellschaftung: Begleitpflanzen an dem untersuchten Wuchsort sind die Gräser und Grasartigen Buntes Reitgras (Calamagrostis varia), Blaugrüne Segge (Carex flacca), Berg-Segge (Carex montana) sowie die krautigen Pflanzen Maiglöcken (Convallaria majalis), Hainsalat (Aposeris foetida), Christophskraut (Actaea spicata) und die Nestwurz (Neottia nidus-avis).

Maßnahmen: Die Wuchsorte des Frauenschuhs sollten einen halboffenen Charakter behalten, keinesfalls dürfen sie kalhlschlagartig völlig freigestellt werden. Die Wuchsortbereiche dürfen nicht mit Fahrzeugen befahren werden, die Bodenverdichtungen verursachen. Bei den kleinen, aus wenigen Individuen bestehenden Vorkommen des Frauenschuhs empfiehlt es sich, diese vor der Öffentlichkeit geheim zu halten (Vermeidung des Ausgrabgefahr).

Untersuchte Wuchsorte im Gebiet

Wuchsort 1: Datum: 28.05.2017. TK: 8033/4. 
4 Zählpunkte. Anzahl getrennter Stöcke: 4. ASK.-Nr.: BN-GL_23 GK-RW: 4443293 GK-HW: 5307786

Derzeitiger Bestand: Bei der Geländeaufnahme am 28.05.2017 wurden lediglich vier Stöcke gefunden. Im Jahr 2015 wurden mehr als 10 Stöcke beobachtet. In günstigen Orchideenjahren sollte eine genaue Bestandserfassung wiederholt werden. Es handelt sich um eines der wenigen Frauenschuh-Vorkommen mit mehreren Stöcken. Weitere artenschutzbedeutsame Pflanzenarten am Wuchsort: Es wurden keine weiteren artenschutzbedeutsamen Pflanzenarten gefunden.

Spezifische Gefährdungen und Beeinträchtigungen am Wuchsort: Potenziell durch umfassende forstliche Maßnahmen am Wuchsort oder in unmittelbarer Nähe des Wuchsorts gefährdet.

Spezifische Maßnahmen: Bäume sollten nur in einzelnen Exemplaren entnommen werden, keinesfalls umfassende Auflichtungen dabei geschaffen werden. Vor Gehölzentnahmen sollten aktuelle Bestandsaufnahmen des Frauenschuhs mit Lageermittlung der Stöcke erfolgen, um Beschädigungen auf ein Minimum reduzieren.

Generelle Beurteilung der Ergebnisse zur Art
Die Bestandsermittlung führte zu einem unerwartet niedrigen Zählergebnis verglichen mit dem Ergebnis im Jahr 2015. Es wäre allerdings verfrüht, daraus bereits auf wesentliche Rückgänge der Art zu schließen.