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Natur vor der Haustür

Ackerwildkraut-Wettbewerb 2024 in Oberbayern

Der Deutsche Verband für Landschaftspflege (DVL), die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL), Bioland und der BUND Naturschutz haben den Ackerwildkraut-Wettbewerb 2024 nun zum sechsten mal, diesmal in Oberbayern ausgelobt. So soll die Arbeit der Landwirte, die sich für den Erhalt der Vielfalt auf ihren Äckern einsetzen gewürdigt werden. Der Pressetermin für diesen Wettbewerb hat ausgerechnet bei uns im Landkreis stattgefunden, auf dem von uns betreuen Patenschaftsacker der Familie Koböck in Unterbrunn. Unserem zweijährigen, von der Regierung von Oberbayern geförderte Projekt zur Erfassung und Förderung von Ackerwildkräutern im Landkreis wurde dadurch eine besondere Bedeutung verliehen. (siehe auch STABNN 2023)

Fünf der insgesamt 23 teilnehmenden landwirtschaftlichen Betriebe, die sich mit je einem Acker für den Wettbewerb beworben haben, stammen aus dem Landkreis Starnberg. Darauf sind wir besonders stolz, denn durch unsere Bemühungen um die Akzeptanz und Bedeutung der Ackerwildkräuter ist das Bewusstsein dafür vielleicht doch schon etwas gewachsen.


Preisverleihung zum Ackerwildkraut-Wettbewerb 2024

Erster Preis an Michael Friedinger aus Farchach

Der Deutsche Verband für Landschaftspflege (DVL), die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL), Bioland und der BUND Naturschutz hatten den Ackerwildkraut-Wettbewerb 2024 nun zum sechsten Mal ausgelobt, diesmal in Oberbayern.

Bei der Preisverleihung am 6. November 2024 in Olching (FFB) waren die Landwirte aus unserem Landkreis ganz vorne mit dabei. Den ersten Preis teilte sich Michael Friedinger aus Farchach mit einem Landwirt aus Eichstätt. 80 Beikräuter konnten auf dem Friedinger-Acker nachgewiesen werden. Allein diese Zahl zeigt schon, welche Vielfalt auf einem Acker möglich ist. Und diese Vielfalt ist wichtig für das Bodenleben, die Insekten, Säugetiere und Feldvögel.

Friedinger-Acker: Acht gefährdete Arten bei Demeter-Bewirtschaftung

Auf dem preisgekrönten Acker wird meist Getreide als Futter für die Milchkühe und Legehennen des Demeter-Hofs von Familie Friedinger angebaut. Wichtig für die Vielfalt ist natürlich, dass nicht gespritzt wird, aber auch, dass die Stoppel lange stehen bleiben kann und nicht gleich nach der Ernte umgebrochen wird. Acht gefährdete Arten wachsen auf dem Acker: Acker-Lichtnelke, Ackerröte, Glänzender Ehrenpreis, Finkensame, Frühlings-Ackerzahntrost, Gewöhnlicher Frauenspiegel, Gezähnter Feldsalat und Zottiger Klappertopf. Der Acker ist der einzige Standort im Landkreis, an dem auch der Finkensame vorkommt, ohne dass er je nachgesät worden wäre.

Koböck-Acker: Ackerwildkräuter im konventionellen Betrieb

Roland Koböck aus Unterbrunn belegte mit seinem „Patenschaftsacker“ den dritten Platz. Dieser Acker wird seit fünf Jahren primär zur Förderung von Ackerwildkräutern bewirtschaftet. Hier kann man sehen, dass die Förderung von Ackerwildkräutern auch in einem sonst konventionell wirtschaftenden Betrieb gelingt.

Vierter bis sechster Preis nach Hochstadt und Erling

Der vierte Preis ging an Norbert und Philipp Grenzebach in Hochstadt. Der Demeter-Betrieb hatte 2013 mit einer sehr artenreichen Wiese die Wiesenmeisterschaft Pfaffenwinkel - Tölzer Land gewonnen und ist ein Betrieb, der ein sehr großes Augenmerk auf die Förderung der Vielfalt legt.

Der fünfte und sechste Preis ging an Stefan Graf aus Erling für einen erstaunlich artenreichen Acker und Maximilian Reisinger aus Erling, der seine Äcker mit viel Fingerspitzengefühl im Nebenerwerb bewirtschaftet. Die Kartierung dieser Äcker war schon zu Beginn unseres Kartierprojekts ein sehr positives und vielversprechendes Erlebnis.

Der Wettbewerb hat gezeigt, dass es einige Landwirte gibt, die die Vielfalt auf ihren Äckern durchaus schätzen. Die meisten von ihnen waren zur Preisverleihung gekommen und konnten sich dort mit Kollegen aus ganz Oberbayern und Ackerwildkrautexperten austauschen.


Unser Projekt geht dieses Jahr zu Ende und bietet damit die Grundlage dafür, die Diversität in unserer Agrarlandschaft weiter zu fördern. Die Ergebnisse sollen in die Biodiversitätsberatung der Unteren Naturschutzbehörde und in die Wildlebensraumberatung des AELF einfließen etwa für mögliche Verträge im Vertrags Naturschutz, für Ausgleichsflächen oder auch freiwillige Maßnahmen. Sinnvoll wäre die Schaffung von sog. Schutzäckern möglichst in jeder Gemeinde einer, die das hier vorkommende Artenspektrum beherbergen und erhalten sollen. Für Schulkinder wird es Umweltbildungsmaßnahmen geben, die den Blick auf die blühenden Beikräutern in den heimischen Getreidefeldern weiten. Auch bei der Bewirtschaftung von verpachteten Ackerflächen könnte die Förderung seltener, konkurrenzschwacher Ackerbeikräuter eine Rolle spielen, wenn das dem Eigentümer ein Anliegen ist.