Die Kraillinger Sanatoriumswiese
- Wo:
Der nördliche Teil wird begrenzt durch Pentenrieder Straße, Fischerfeldstraße und Sonnenweg; der südliche Teil von Pentenrieder Straße und Hubertusstraße / Hubertusweg. - Status:
Die Sanatoriumswiese befindet sich im Eigentum der Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul, bekannt für ihr Mineralwasser “ Adelholzener ” .
Seit 1994 hat die Gemeinde Krailling die Fläche der Sanatoriumswiese als Erholungsraum für die Kraillinger Bevölkerung gepachtet. - Charakteristik:
Als Teil eines landwirtschaftlichen Betriebs diente die Sanatoriumswiese über viele Jahre als konventionell bewirtschafteter Acker und Kuhweide. Seit dem Ende der landwirtschaftlichen Nutzung Mitte der 1990er-Jahre (Verpachtung an die Gemeinde Krailling als Naherholungsgebiet) haben sich seit 1995 durch eine zweischürige Mahd und durch Verzicht auf Düngung und Pestizideinsatz innerhalb von inzwischen 30 Jahren weit überwiegend artenreiche Flachland-Mähwiesen, auf der nördlichen Seite teilweise auch Kalkmagerrasen gebildet. Beide Lebenraumtypen (Biotope) sind in Bayern gesetzlich geschützt.
Historie
Die Kraillinger Sanatoriumswiese blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück - in den 50er Jahren wurde auf ihr sogar nach Öl gebohrt!
Die Wiese ist Eigentum der Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul und wurde bis 1992 als landwirtschaftliche Fläche mit konventioneller, zunehmend intensiver Bewirtschaftung genutzt (Acker, Weide). Seit Mitte der 90er-Jahre hat die Gemeinde Krailling die Fläche der jetzigen Sanatoriumswiese als Naherholungsgebiet für die Bürger gepachtet, seitdem hat sich dort eine sehr wertvolle, artenreiche magere Flachland-Mähwiese entwickelt.
Status Quo
Durch Verzicht auf Kunstdünger und Pestizide und durch sachgemäße Pflege entstand seit der Verpachtung an die Gemeinde Krailling im Lauf vieler Jahre ein wertvoller Lebensraum mit großer Vielfalt an Pflanzen- und Tierarten.
In einem 2025 fertiggestellten Gutachten des Diplom-Biologen Burkhard Quinger wurde die Sanatoriumswiese als Lebensraum vom Typ “Magere, artenreiche Flachland-Mähwiese”, teilweise auch als “Kalkmagerrasen” eingestuft. Beide Typen sind grundsätzlich durch das Bundesnaturschutzgesetz und das Bayerische Naturschutzgesetz geschützt.
Das Info-Blatt des Bayerischen Umweltministeriums (03/2025) hebt den Wert und die Wichtigkeit solcher Lebenräume hervor. In Auszügen: "FFH-Mähwiesen sind
- Juwelen der Agrarlandschaft und zählen zu den artenreichsten Lebensräumen in Bayern
- Reich an Insekten, die als Bestäuber besonders wichtig für den Erhalt der Biodiversität sind
- In ihrer Buntheit ein wichtiger Beitrag zum schönen Landschaftsbild in Bayern
Der Erhalt und die Wiederherstellung von FFH-Mähwiesen wird vom Bayer. Umweltministerium gefördert
Rechtslage
Die Einstufung einer Fläche in einen wertvollen Lebensraum-Typus und der damit einhergehende Schutz ergibt sich ausschließlich aus den vorgefundenen Arten bzw. den Artenkombinationen, eine amtliche Kartierung oder Beschilderung ist nicht notwendig.
Das Info-Blatt des Bayerischen Umweltministeriums (03/2025) gibt die Charakterisierung, Umgang und Pflege (Mahd, Düngung, Beweidung) solcher Lebensräume verbindlich vor. In Auszügen:
- Die FFH-Mähwiesen sind nach der FFH-Richtlinie, dem Bundesnaturschutzgesetz und dem Bayerischen Naturschutzgesetz geschützte Lebensraumtypen beziehungsweise Biotope – innerhalb und außerhalb von FFH-Gebieten.
- Sie dürfen nicht erheblich beeinträchtigt oder zerstört werden. Danach muss auch die Bewirtschaftung (Schnitt, Düngung) ausgerichtet werden
- Der günstige Erhaltungszustand der FFH-Mähwiesen muss landes- und bundesweit erhalten und wo notwendig verbessert werden.
- Eine Beeinträchtigung oder Zerstörung von FFH-Mähwiesen ist unter anderem ein Verstoß gegen die Konditionalitäten der EU-Agrarförderung
Der Erhalt und die Wiederherstellung von FFH-Mähwiesen wird vom Bayer. Umweltministerium gefördert
Pflegemaßnahmen
Zweischürige Mahd mit Stehenlassen von Insektenschutzstreifen , diese Altgrasbereiche werden dann im Folgejahr bei der ersten Mahd abgemäht. Idealerweise sind diese Insektenschutzstreifen oder Insektenschutzinseln über die Wiese verteilt und berücksichtigen dabei auch Pflanzen, die erst später blühen und aussamen, wie z.B. die Golddisteln. Dazu muss man wissen, wo genau diese später blühenden und aussamenden Pflanzen auf der Wiese wachsen.
Warum muss überhaupt gemäht werden?
In Ermangelung frei lebender Wildpferde, Wisente und Auerochsen müssen Naturflächen schonend und zum richtigen Zeitpunkt gemäht werden, um Verbuschung zu verhindern. Eine sachgemäße Mahd verhindert auch, dass sich nur die konkurrenzstärksten Arten durchsetzen und es so zu Artenschwund kommt.
Wenn man aufhört, eine Wiese zu mähen, dann wachsen mit der Zeit erst Büsche und dann Bäume - es entsteht wieder Wald (sog. “Sukzession”).
https://www.bund.net/themen/naturschutz/wiesen-und-weiden/
Warum ist der Mähtermin wichtig?
Vor allem bei einjährigen Pflanzen (= nur die Samen überleben den Winter, die Mutterpflanze stirbt ab) ist es essentiell, das Aussamen abzuwarten. Zu späte Mahd hingegen begünstigt stark wachsende Arten und den Zuzug fremder Arten. Auch der Klappertopf, eine Pflanze, die an Gräsern parasitiert, breitet sich bei zu später Mahd zu stark aus.
Warum muss das Mähgut entfernt werden?
Verrottendes Mähgut bringt zum einen unerwünschten Nährstoffeintrag, der die Artenzusammensetzung negativ erändert und schnellwüchsige, konkurrenzstarke Arten begünstigt. Außerdem bildet liegengelassenes, verrottendes Mähgut filzige Matten, die eine Keimung und ein Wachstum der wertgebenden Charakterarten verhindern.
Link zur aktuellen Kontroverse bzgl. Unsachgemäße Mahd mit vielen Fotos.
Charakteristische Wiesenblumen
(Kleine Auswahl)
Wiesen-Salbei, Acker-Witwenblume, Wiesen-Bocksbart, Karthäuser-Nelke, Wiesen-Habichtskraut, Wiesen-Glockenblume, und und und…
Zusätzliche Informationen
- Faltblatt des Bayer. Umweltministeriums über die Bedeutung und den Wert von artenreichen Mähwiesen
- Informationen des BUND Naturschutz über artenreiche Wiesen


