Libellen – Fliegende Edelsteine

Libellen sind faszinierende Tiere: Sie schillern in allen Farben und fliegen artistisch – wenn es sein muss auch mal rückwärts. Über 70 verschiedene Arten gibt es in Bayern. Noch – denn die Lebensräume der Flugakrobaten stehen unter Druck.

Paarungsrad der Blauen Federlibelle (Platycnemis pennipes) in Kempfenhausen (Foto: Michael J. Stiegler).

03.09.2019

Libellen (Odonata) gibt es seit rund 300 Millionen Jahren, sie kommen weltweit in allen gemäßigten, subtropischen und tropischen Regionen vor. Deutschland beherbergt 81 Libellenarten aus zwei Unterordnungen: den Großlibellen (Anisoptera) und den Kleinlibellen (Zygoptera). In Bayern kommen 75 Arten vor. Zwei davon (Sibirische Azurjungfer (Coenagrion hylas) und Scharlachlibelle (Ceriagrion tenellum)) gelten jedoch als verschollen. Fast die Hälfte der Arten steht auf der Roten Liste.

Entscheidend für den Schutz von Libellen in Bayern – und ganz generell – ist die Qualität von Gewässern: Es fehlen naturnahe Fließgewässer und Auen mit ihren von Hochwässern gestalteten Auentümpeln, intakte großflächige Moore, nährstoffarme Seen oder strukturreiche Teiche mit Seerosen- und Röhrichtbeständen. Libellen reagieren sensibel auf den Klimawandel: Arten aus dem Mittelmeerraum wie die Feuerlibelle wandern neu ein, Arten der eher kühleren Hochlagen wie die Sibirische Winterlibelle scheinen sich zurückzuziehen.

Odonata schillern in metallischen Farben und sind echte Flugakrobaten. Einige Arten erreichen Fluggeschwindigkeiten von bis zu 50 Stundenkilometern, andere steigen auf 2.000 Meter Flughöhe auf oder überqueren Ozeane. Die Libellen zählen zu den elegantesten Fliegern unter den Insekten. Da sie ihre Vorder- und Hinterflügel getrennt voneinander steuern können, verfügen sie über unglaubliche Flugkünste: Sie können in der Luft stehen bleiben und manche sogar rückwärts fliegen.

Libellen sind hervorragende Bioindikatoren, das heißt, ihre Vorkommen oder auch ihr Fehlen sagen viel über den Zustand, die Strukturvielfalt oder Naturnähe des jeweiligen Lebensraumes aus. Die Vorkommen von Lebensraumspezialisten stehen zum Beispiel für ungefasste Quellen, seltene Moorgewässer oder reich ausgeprägte Verlandungszonen. Deshalb ist es für den Natur- und Artenschutz in Bayern doppelt wichtig, möglichst viel über die Libellen in Bayern und ihre Lebensräume zu wissen, um gezielt schützen zu können. Das wiederum kommt auch all den anderen Tieren und Pflanzen zugute, die sich ihre Heimat mit den Libellen teilen.

In Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU) bietet der BUND Naturschutz deshalb ein neues Online-Portal an, das es Libellenfreunden erleichtern soll, ihre Beobachtungen online zu dokumentieren und so für den Artenschutz nutzbar zu machen.

Weitere Informationen über Libellen finden Sie auf dieser Internetseite.