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Natur vor der Haustür

24. April ist Tag der Streuobstwiese: Blühende Augenweiden im Frühling mit köstlicher Ernte im Herbst

Aus diesem Anlass weist die Ortsgruppe Krailling des BUND Naturschutz (BN) auf die große Bedeutung dieser Kulturlandschaft für Mensch und Natur hin. Der Streuobstanbau ist eine viele Jahrhunderte alte Form des Obstanbaus, der 2021 sogar von der UNESCO als Immaterielles Kulturerbe in Deutschland aufgenommen wurde.

15.05.2026

Streuobstwiesen sind nicht nur Augenweiden, sie sind auch wertvolle Lebensräume für viele Tiere und Pflanzen. Auf traditionsreichen Streuobstwiesen mit alten Obstsorten sind die Bäume teilweise 80 bis 100 Jahre alt. Bis zu 5.000 Arten können dort zu finden sein, darunter z.B. der Siebenschläfer und seltene Vögel wie Wiedehopf, Wendehals und Steinkauz. 

Die Bayerische Staatsregierung legt Wert auf den Schutz und die Förderung von Streuobstwiesen. Dazu gründete sie 2021 gemeinsam mit Verbänden, darunter BUND Naturschutz und LBV, eigens den Bayerischen Streuobstpakt. Ziel ist, bis 2035 eine Million neuer Streuobstbäume zu pflanzen, um den Artenreichtum zu stärken und diese Form der Kulturlandschaft in Bayern zu erhalten.

Krailling hat am Westrand der Sanatoriumswiese zwei Streuobstbereiche, die vor ca. 30 Jahren Dank einer Initiative des Ehepaars Zacherl mit Einverständnis der Kongregation der Barmherzigen Schwestern durch Baumspenden von Kraillinger Bürgern angelegt wurden. Dort hat sich, wie auf dem Hauptteil der Sanatoriumswiese, im Laufe der Zeit eine schöne und wertvolle artenreiche Wiese entwickelt. Eine Erfassung der Wiesenpflanzen in den Jahren 2023 und 2024 stellte fest, dass auch diese Streuobstbereiche genauso wie der Hauptteil der Sanatoriumswiese bis auf wenige kleine Ausnahmen als magere Flachland-Mähwiese, sog. FFH-Lebensraumtyp 6510, einzustufen ist. Die so eingestuften Wiesen sind aufgrund ihres großen Artenreichtums und der zunehmenden Seltenheit inzwischen gemäß Bundesnaturschutzgesetz §30 und Bayerisches Naturschutzgesetz Art. 23 gesetzlich geschützt.

Leider wurde dies von der Gemeinde, dem Pächter der Sanatoriumswiese, bei der Mahd und Pflege in den letzten Jahren nicht immer ausreichend beachtet. So hat der Streuobstbereich der nördlichen Sanatoriumswiese durch zu häufige Mahd und andere Belastungen merklich gelitten. 

Eine für die Duathlon-Sportveranstaltung am 26. April diesen Jahres nicht benötigte, von den Veranstaltern auch gar nicht gewünschte oder geforderte, zu frühe Mahd konnte im Vorfeld bei den Bereichen mit gesetzlichem Schutzstatus Dank des Landratsamtes verhindert werden. Das Duathlon fand erfolgreich statt - ganz ohne Mahd im zum Parken festgelegten Bereich und weit darüber hinaus, wie es leider im vergangenen Jahr der Fall war. Allerdings hat der abgewählte Bürgermeister Rudolf Haux kurz vor Ende seiner Amtszeit noch auf einer Mahd des nordwestlichsten Bereichs ohne Schutzstatus bestanden. Traurig und schade, denn dies widerspricht den Kriterien für eine bienenfreundliche Gemeinde. Dafür müssen alle kommunalen Flächen extensiv und bienenfreundlich bewirtschaftet werden, allen voran die Streuobstwiesen. Auch das Mulchen des Streuobstbereichs der südlichen Sanatoriumswiese im vergangenen Herbst entspricht nicht dieser Vorgabe. 

Die BN Ortsgruppe Krailling freut sich und dankt, dass heuer die wertvollen, geschützten Bereiche der Sanatoriumswiese ohne die zu frühe Mahd weiter wachsen konnten und können. Auf diese Weise werden sich diese Bereiche allmählich erholen, so dass heuer wieder eine arten- und blütenreiche Streuobstwiese mit u.a. Wiesen-Glockenblumen (inzwischen auf der Vorwarnliste) und Karthäusernelken (besonders geschützt) die Schmetterlinge, Bienen und uns Alle erfreuen kann.

Text: Silvia Roelcke
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