08.01.2007 Westumfahrung Starnberg

<meta http-equiv="CONTENT-TYPE" content="text/html; charset=utf-8" /><title>Vorschlag zur Stellungnahme</title><meta name="GENERATOR" content="OpenOffice.org 2.2 (Linux)" /><meta name="AUTHOR" content="Guenter" /><meta name="CREATED" content="20070125;240000" /><meta name="CHANGEDBY" content="Margraf" /><meta name="CHANGED" content="20070125;17000000" />

hr Zeichen: 32-4354.4-STA 3-002

Unser Zeichen: STA-Starnberg-VE

Sachbearbeitung: Thomas Frey

Datum: 25.01.2006

STA 3 – Westumfahrung Starnberg
Planfeststellung - Anhörungsverfahren

Hier: Stellungnahme des Bundes Naturschutz in Bayern e.V.

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir bedanken uns für die Beteiligung am o. g. Verfahren gemäß §60 BNatSchG und für die gewährte Fristverlängerung. Wir nehmen wie folgt Stellung und bitten darum, die im Folgenden aufgeführten Punkte im Planfeststel-lungsverfahren zu berücksichtigen:


Der Bund Naturschutz in Bayern e. V. spricht sich entschieden gegen die vorliegend beantragte Straßenbaumaßnahme aus,

  • sie zu nicht hinnehmbaren Eingriffen in Natur- und Landschaft führt,

  • sie nicht notwendig ist,

  • ihr die Benennung der „zwingenden Gründe des überwiegenden öffentlichen Interesses“ nach Art. 16 Abs. 1 c) der FFH-Richtlinie nicht gelingt

  • sie planungsrechtlich falsch deklariert wird

  • massive Widersprüche zu Gesetzen, überörtlichen Planungsgrundlagen und Programmen zum Natur- und Landschaftsschutz bestehen

  • wegen der Gefährdung von gemeinschaftsrechtlich geschützten Arten keine Befreiung nach Art. 16 FFH-Richtlinie bzw. nach § 62BNatSchG zulässig ist.


und sie daher weder gerechtfertigt noch genehmigungsfähig ist.





Begründung:

 

1. Keine Notwendigkeit der Planung

Als Ziel der Planung wird in den Planungsunterlagen angegeben, die Ortsdurchfahrt von Starnberg zu entlasten.

Es ist festzustellen, dass eine Entlastungsfunktion und damit eine Notwendigkeit der Straße nicht gegeben ist, weil sie in der vorliegend beantragten Form gerade keine eigenständige Verkehrswirksamkeit entfaltet. Wie im Gutachten von Prof. Kurzak aus dem Jahre 2001 belegt wird, ist eine maximale Entlastung von Starnberg pro Tag in Höhe von 1.800 Kfz im Prognosezeitraum bis 2015 zu erwarten. Das entspricht ca. 8% des Verkehrs auf der B2 durch Starnberg und damit ist lt. Prof. Kurzak „die Entlastung durch die Westumfahrung in Starnberg nur sehr gering spürbar“.

Die Straße wird für sich isoliert aus einem Gesamtzusammenhang herausgerissen und unter Einstellung vieler Faktoren und nicht verwirklichter Projekte wird ein Konzept entworfen und dargestellt, das in der Realität keinerlei Anbindung findet. Das Projekt hängt vielmehr in der Luft und muss als isolierte Einzelmaßnahme betrachtet werden.


2. Keine Zwingenden Gründe des überwiegenden öffentlichen Interesses

Im artenschutzrechtlichen Beitrag wird dargelegt, dass für bestimmte Arten (u.a. Haubenmei-se, Tannenmeise etc...) Befreiungen nach §62 Abs.1 BNatSchG in Bezugnahme auf Art. 16 FFH-Richtline notwendig sind. Um eine Befreiung nach Art 16 FFH-Richtlinie zu erreichen, müssen „zwingende Gründe des überwiegenden öffentlichen Interesses“ für eine Planung sprechen und nicht wie im artenschutzrechtlichen Beitrag beschrieben nur Maßnahmen von überwiegend öffentlichem Interesse.

Da bei einem Vorhaben mit solch geringer Entlastungswirkung keinesfalls zwingende Gründe des überwiegenden öffentlichen Interesses gelten können und damit der Befreiungstatbestand des § 62 Abs. 1 BNatSchG zu Gunsten des vorliegenden Vorhabens nicht zur Anwendung gelangen kann, entfällt damit eine weitere Rechtfertigung der Planung.


3. Planungsrechtlich falsche Deklaration

Die planungsrechtlich falsche Deklaration ergibt sich aus der in den Unterlagen der Planfeststellung dargestellten Verknüpfung der St 2069 über die angebliche Kreisstraße
STA 3 (Westumgehung Starnberg) zur St 2563 bzw. Bundesstraße B 2. Dies spricht ganz eindeutig für die Netzfunktion dieser Westumgehung im Sinne von Art. 3 Abs. 1 Nr. 1 Bayerisches Straßen- und Wegegesetz und klassifiziert sie somit als Staatsstraße. Das vorliegende Planfeststellungsverfahren ist wegen unzureichender planungsrechtlicher Unterlagen zurückzuweisen bzw. auszusetzen, bis im Rahmen eines Raumordnungsver-fahrens eine tragfähige raumordnerische Beurteilung für das Vorhaben erfolgt ist, die im weiteren Genehmigungsverfahren als abwägungszulässig Berücksichtigung finden kann.


4. Mangelhafte Kartierung

Die floristische und faunistische Erhebung ist mangelhaft durchgeführt worden: neben den in den Planungsunterlagen aufgeführten Arten konnten vom Bund Naturschutz weitere Rote Liste Arten im Planungsgebiet gefunden werden: Rotmilan (Milvus milvus) und Wespen-bussard (Pernis apivorus, z.T. mit Jungvögeln auf der Jagd), sowie Orchideen wie das Rote Waldvögelein (Cephalanthera rubra) im Bereich des Galgenberges und das Mannsknabenkraut (Orchis mascula) im Waldsaum beim/im Biotop 7933-0288-001. Diese sind als gefährdete Arten im Übergengsbereich von der Florenregion Molassehügelland (mit RL Stufe 2) zum Moränengürtel (mit RL Stufe 3) besonders zu schützen.

Auf Grund der offensichtlich mangelhaften Kartierung ist nicht auszuschließen, dass nicht noch weitere geschützte Arten im Planungsgebiet vorkommen.


5. Verletzung des Natur- und Landschaftsschutzes

Ziele und Grundsätze aus Gesetzen, überörtlichen Planungsgrundlagen und Programmen zum Natur- und Landschaftsschutz werden durch die Planungen in eklatanter Weise verletzt.


Wir erkennen dies in folgenden Punkten:

  1. Geschützte Arten nach §42 BNatschG und Bundesartenschutzverordnung
    Einige durch das BNatschG (+BArtSchVO) besonders geschützte Arten befinden sich nach Angaben der Planungsunterlagen direkt auf der Plantrasse. Einige Arten werden durch die Plantrasse beeinträchtigt. Durch die Planungen ergeben sich Verbotstat-bestände die im Falle einer Realisierung der Straße einer Befreiung bedürfen. Dies ist nur möglich, wenn zwingende überwiegende Gründe des Allgemeinwohls für die Planung sprechen.


  1. Geschützte Arten nach Gemeinschaftsrecht (Vogelschutzrichtlinie und FFH-Richtlinie Anhang IV)

Mehrere durch die Vogelschutzrichtlinie (Art.1) und die FFH-Richtlinie (Anhang IV) geschützte Arten sind nach dem artenschutzrechtlichen Beitrag von der Planung betroffen. Es treten Verbotstatbestände des § 42 BNatSchG auf, die nur bei zwingenden Gründen des überwiegenden öffentlichen Interesses und bei Alternativlosigkeit aufgehoben werden können (s. o. unter 1.).


Bezüglich des Springfrosches (FFH Anhang IV Art) können wir uns der Meinung des artenschutzrechtlichen Gutachters nicht anschließen, dass durch Amphibien-Leiteinrichtungen ein günstiger Erhaltungszustand gewährleistet werden kann. Der besonders geeignete und innerhalb des Trassenumfeldes singuläre Lebensraum (Buchenwald am Galgenberg) wird von den östlich gelegenen Reproduktionsstätten abgetrennt.

Eine Aussage über die Wirksamkeit der Amphibienleiteinrichtung ist auch deshalb im jetzigen Stadium nicht möglich, da genauere Aussagen zur Ausführung der Leiteinrichtung im Landschaftspflegerischen Begleitplan noch nicht aufgeführt sind und erst zu einem späterem Planungsstadium festgelegt werden sollen.

Da es sich beim Springfrosch um ein besonders wichtiges, wenn nicht sogar das wichtigste Schwerpunktvorkommen in Bayern handelt, ist in dieser Frage besondere Sensibilität angebracht. Eine Beeinträchtigung der Population muss absolut ausgeschlossen werden können. Die angedachten Amphibienleiteinrichtungen können dies nicht gewährleisten.


Neue Urteile des Europäischen Gerichtshofes (vom 10.01.2006 und 14.09.2006) machen deutlich, dass innerhalb der Europäischen Gemeinschaft ein effektiver naturschutzfachlicher Schutzstatus auf gemeinschaftsrechtlicher Ebene umzusetzen ist.


  1. Geschützte Arten nach Gemeinschaftsrecht (FFH-Anhang II)

Im Trassengebiet wurde der Kammolch in einigen miteinander verbundenen Beständen nachgewiesen. Der Kammmolch genießt nach dem Gemeinschaftsrecht einen ganz besonderen Schutzstatus. Er ist in Anhang II und IV der FFH-Richtlinie aufgeführt. Das artenschutzrechtliche Gutachten kommt zu folgendem Schluss:

„Der Bestand des Kammolchs im weiteren Trassenumfeldes, wie er sich durch die aktuellen Daten darstellt, ist für das Jungmoränenland sehr bemerkenswert und es ist mutmaßlich nur den zuvor mangelhaften Daten geschuldet, dass er nicht als FFH-Gebiet zum Schutz der Art gemeldet wurde.“ Das Gebiet war auch in der Vorschlagliste des Bundes Naturschutz für die Ausweisung von FFH-Gebieten enthalten, wurde jedoch in der offiziellen Gebietsauswahl nicht berücksichtigt.


Aus diesem Umstand resultiert eine ganz besondere Verantwortung gegenüber dieser Art.

Nach den artenschutzrechlichen Gutachten ist nicht auszuschließen, dass einzelne Tiere bei Querungsversuchen überfahren werden. Es wird festgestellt dass gerade die trassennahen Bestände sehr individuenarm sind. Das bedeutet aber, dass auch einzelne Tötungen schon dazu führen können, dass die Population der individuenarmen Bestände gefährdet ist.

Ein günstiger Erhaltungszustand, den Art 16 FFH Richtlinie vorschreibt, um überhaupt Befreiungen von vom strengen europäischen Schutzstatus möglich zu machen, kann nicht garantiert werden.
Eine Befreiung vom Verbotstatbestand nach Art 16 FFH-Richtlinie ist daher nicht möglich.


  1. Rote Liste Arten:

Sowohl auf dem Trassenabschnitt selbst, als auch in unmittelbarer Nähe befinden sich nach Aussagen der Planungsunterlagen Lebensräume von Rote-Liste Arten, die durch den Straßenbau stark beeinträchtigt werden. Das Landesamt für Umwelt fordert dazu auf, dass die Rote Liste als Argumentations- und Entscheidungshilfe für umwelt- und raumrelevante Planungen herangezogen wird.

  1. Landschaftsschutzgebiet

Nach § 2 der LSG-Verordnung ist es verboten, Veränderungen im LSG vorzunehmen, die geeignet sind die Natur zu schädigen, den Naturgenuss zu beeinträchtigen oder das Landschaftsbild zu beeinträchtigen. Alle drei Verbotstatbestände sind durch die Planungen erfüllt.

Das Landschaftsbild ist durch die Trasse ganz besonders beeinträchtigt: Starke Einschneidungen in die Landschaft, der Kreisel als landschaftsprägendes Bauwerk, Dammhöhen von 2 m Höhe, Verlauf durch die äußerst abwechslungsreiche Wald-Wiesen-Komplex-Landschaft im Erholungsgebiet Fünf-Seen-Land, Verlauf durch Erholungswald nach Waldfunktionsplan, etc..

Deswegen wird in den Planungsunterlagen auch richtigerweise festgestellt, dass die freie Landschaft durch die Barrierewirkung des Bauwerkes belastet wird, weil die geplante Trasse auf nahezu gesamter Länge bisherige landschaftliche Ruhezonen mir guter Eignung für extensive Freiraumerholung durchschneidet (S.36).

Es muss festgehalten werden, dass bei Eingriffen in die Wälder mit schwerwiegenden Auswirkungen zu rechnen ist und es zu nachhaltigen Bestandsschädigungen und Beeinträchtigungen für die anthropogenen Nutzungen und die Tierwelt kommen wird. Gerade die nachhaltige Schädigung der Wälder ist als herausragender allgemeiner öffentlicher Belang bezogen auf die mannigfaltigen besonderen Funktionen des hier betroffenen Waldes in keiner Form zu rechtfertigen.

In der Landschaftspflegerischen Beurteilung wird festgehalten, dass die Risiken für die Schutzgüter „Tiere und Pflanzen“, „Waldbau“, „Biotische Lebensraumfunktion“, „Wasser“, „Klima“, „Landschaftsbild“ und „Erholung“ hoch sind. Insofern wäre bei einer Umsetzung der Planung im Landschaftsschutzgebiet eine Befreiung nach Art. 49 BayNatSchG notwendig. Diese ist nur möglich, wenn überwiegende Gründe des Allgemeinwohles dies erfordern. Unserer Meinung nach liegen diese Gründe nicht vor.


  1. Naturdenkmal
    Der Galgenberg ist als Naturdenkmal ausgewiesen. Naturdenkmäler erhalten ihre Wertigkeit immer auch aus ihrer Einbindung in die Umgebung. Die fast unmittelbar an das Naturdenkmal anschließende Plantrasse würde zu einer so starken Beeinträchtigung des Galgenberges führen, dass sein naturschutzfachlicher Wert damit enorm gemindert würde. Dies ist ohne zwingende Gründe des überwiegenden öffentlichen Interesses (s. o. unter 1.) nicht hinzunehmen.


  1. 13d-Flächen

Aus den Planungsunterlagen ist nicht ersichtlich, inwieweit 13d-Flächen von der Planung betroffen sind. Im Erläuterungsbericht und im Landschaftspflegerischen Begleitplan ist nur kurz aufgeführt, dass sich bestimmte durch Art.13d BayNatSchG geschützte Flächen im Planungsgebiet liegen. Aus den Landschaftspflegerischen Bestands- und Konfliktplänen geht aber nicht hervor, wo diese Bereiche liegen. Es ist in den Planungsunterlagen nicht vermerkt, wie sich die Planungen auf die genannten 13d Flächen auswirken. Dies ist aber unbedingt notwendig, um ein Urteil aus naturschutzrechtlicher Sicht bilden zu können. Sind 13d Flächen betroffen, so werden durch die Planungen Verbotstatbestände tangiert. Für die Realisierung der Planung würde man eine Befreiung vom Verbotstatbestand benötigen. Der Bund Naturschutz fordert den Planungsträger daher auf, nachzureichen, inwieweit 13d Flächen von der Planung betroffen sind. Vorher ist keine Entscheidung über das Projekt möglich.


  1. ABSP-Flächen

Biotope, die im bayerischen Arten und Biotopschutzprogramm (ABSP) mit lokaler und überregionaler Bedeutung aufgeführt sind und gesichert, bzw. entwickelt werden sollen, werden durch die Planungen beeinträchtiget. Besonders das Ziel der Förderung von Kleingewässern wird durch die Zerschneidungswirkung der Straße stark beeinträchtigt, da eine Vernetzung der Lebensräume von Amphibien dadurch deutlich erschwert wird. Diese sind aber wegen ihrer schrumpfenden Flächenanteile von hoher naturschutzfachlicher Bedeutung, wie auch im LBP attestiert wird.

Soweit im Rahmen der Ausführungen zum Ausgleichskonzept dargelegt wird, dass angeblich alle Eingriffe in den Naturhaushalt ausgleichbar seien, da keine nicht- wiederherstellbaren Biotope betroffen würden, ist dem entgegenzutreten und deutlich darauf hinzuweisen, dass es in der vorliegenden Betrachtung nicht nur um die Erfassung und Bewertung von wiederherstellbaren Einzelbiotopen geht, sondern ein naturschutzfachlich sehr sensibler Gesamtraum betroffen ist, der vollständig in seiner Vernetzungs- und Lebensraumstruktur zerstört würde. Der Gesamteingriff ist im Rahmen der Betrachtung überhaupt nicht in den Blick genommen worden, so dass die grundsätzliche Konzeptionserstellung als defizitär anzusehen ist.


  1. Flächenverbrauch und Bodenversiegelung

In vielen Gesetzen und Programmen (z.B. Landesentwicklungsprogramm) wird das Ziel angeführt, den Bodenverbrauch und die Flächenversiegelung zu reduzieren (z.B. Landesentwicklungsprogramm BI 1.1.2). Durch die Straße werden 9,4 ha Lebensräume von Pflanzen und Tieren überbaut. 2,96 ha land- und forstwirtschaftlich genutzte Böden werden neu versiegelt. Ein so hoher Landverbrauch, der auch dem Nachhaltigkeitsziel der Bundesregierung widerspricht, das vorsieht den Flächenverbrauch auf ¼ des heutigen Standes zu reduzieren, steht einem kaum wahrnehmbaren Nutzen der Planung gegenüber (s. o. Notwendigkeit der Planung).


  1. Regionalplanung

Die vorliegende Planung widerspricht dem Leitbild und den Fachzielen des Regionalplanes München. Nach dem Leitbild „sollen die natürlichen Lebensgrundlagen erhalten sowie die attraktive Natur-, Kultur- und Erholungslandschaft gesichert und verbessert werden.“ (AI, G1.1). Durch die Maßnahme würde jedoch ohne Planrechtfertigung wertvolle Landschaft zerstört, statt gesichert und verbessert.

Hinsichtlich der Bestandserfassung zum Landschaftsbild ist noch einmal darauf hinzuweisen, dass der gesamte Naturraum in diesem Bereich durch einen Wechsel von Tallagen und Kuppen geprägt ist. Im Bereich des Galgenberges und des Maurerberges werden Hangneigungen von bis zu 50 % erreicht und in den Hangpartien, Sätteln, Mulden und Talräumen ergibt sich hierdurch eine reich strukturierte Geländeoberfläche, die darüber hinaus auch noch durch die naturschutzfachlich sehr bedeutsamen und insoweit auch geschützten 30 Toteiskessel ergänzt werden.


Im Regionalplan München ist für das Gebiet um Hadorf, das die Plantrasse durchquert, ein landschaftliches Vorbehaltsgebiet mit dem fachlichen Ziel der Freihaltung von Talräumen von weiterer Bebauung festgesetzt.

In diesen Gebieten soll den Belangen des Naturschutzes und der Landschaftspflege besonderes Gewicht zukommen! Die Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes soll gesichert oder wiederhergestellt, die Eigenart des Landschaftsbildes bewahrt und die Erholungseignung der Landschaft erhalten oder verbessert werden. Die Planung steht in deutlichem Widerspruch zu diesen Zielen.

Darüber hinaus wird für den südlichen Teil des Untersuchungsgebietes auf das fachliche Ziel hingewiesen, Landschaftszerschneidungen insbesondere durch Straßen- und Energietrassen zu vermeiden. Dies trifft bei der vorliegenden Planung gerade nicht zu, sondern das Vorhaben widerspricht ganz offensichtlich den bestehenden raumordnerischen Festsetzungen.


In den Fachaussagen wird formuliert, dass der „MIV gemessen am Gesamtverkehrs-aufwand insbesondere im Stadt- und Umlandbereich München reduziert, der des ÖPV und des nichtmotorisierten Verkehrs (NMV) erhöht werden soll“ (BV, G 1.4). Die vorgesehene Planung wird genau Gegenteiliges bewirken: die Attraktivität des MIV steigt gegenüber der Attraktivität des ÖPV.


Es ist zu fragen, inwieweit das Vorhaben überhaupt verwirklicht werden kann bzw. inwieweit auf raumordnerischer Ebene zunächst eine gesonderte Überprüfung möglicherweise auch im Rahmen eines so genannten Zielabweichungsverfahrens erforderlich wäre, um den offen zu Tage tretenden Widerspruch zu den bestehenden raumordnerischen Festlegungen planungsrechtlich gegebenenfalls bewältigen zu können.


  1. Waldschutz:

Die Wälder zwischen Söcking und Hadorf sind als Erholungswald (Intensitätsstufe II) im Waldfunktionsplan ausgewiesen. Es handelt sich um stark frequentierte Wälder, in denen sogar bei der Bewirtschaftung des Waldes auf die Erholungsfunktion Rücksicht zu nehmen ist. Eine Trassenführung, welche diese Wälder durchschneidet, führt zu einer drastischen Beeinträchtigung der Erholungsfunktion und steht deshalb im Widerspruch zur geltenden Waldfunktionsplanung.


  1. Wasserschutz

Die Bedeutung der Grundwasservorkommen ist auch nach Aussagen des Landesamtes für Wasserwirtschaft von überörtlicher Bedeutung. In diesem Zusammenhang sind die Wassergewinnungsgebiete, so wie sie bereits in den Ausführungen mehrfach genannt wurden, von herausragender Bedeutung für die Versorgungssicherheit der Bevölkerung in diesem regionalen Bereich.

Soweit der Vorhabenträger in seinen Ausführungen immer wieder behauptet, angeblich keine gesonderten Schutzmaßnahmen hinsichtlich des Schutzgutes Wasser ergreifen zu müssen, rügen wir dies als planungsrechtlich defizitär. Dabei ist in diesem Zusammenhang auch noch einmal darauf hinzuweisen, dass dem Vorhabenträger zuverlässige Aussagen zu den lokalen Grundwasserverhältnissen gerade nicht vorliegen, da diese ohne gezielte Bohrungen nicht zu erreichen sind. Damit ist aber dieser Aspekt hinsichtlich seiner fachlichen Aufarbeitung unzureichend und keine tragfähige Grundlage vor dem Hintergrund der besonderen Schutzbedürftigkeit des Schutzgutes Wasser und der überaus großen Bedeutung dieses geschützten Naturraumes für die Wassergewinnung in der Region.


  1. Geologie

Auch im Hinblick auf den Aspekt Geologie und Geomorphologie ist der Bereich um den Galgenberg herum ein wissenschaftlich und auch naturschutzfachlich sehr bedeutender Bereich. Die Charakteristik dieses Naturraumes ist durch eine ganze Reihe von glazialen Erscheinungen wie Jungmoränen, Toteiskesseln, Erosions- und Terrassenkanten, Findlingsblöcken, kames-artigen Aufschüttungen, hochglazialen Schotterflächen mit Moränenverwitterungsböden und Lösslehm geprägt . Das geplante Vorhaben mit seinem gegenwärtig vorgesehenen gravierenden Eingriff im Bereich des Galgenbergs würde diesen geologisch bzw. geomorphologisch bedeutsamen und schützenswerten Raum nachhaltig schädigen und zerstören.


6. Zusammenfassung:


Dem äußerst geringen Nutzen der Straße (nur 8% Entlastung der Ortsdurchfahrt Starnberg als Planrechtfertigung) steht eine lange Liste von schwerwiegenden Eingriffen in Natur und Landschaft gegenüber. Der Landschaftspflegerische Begleitplan resümiert: „Es kommt zu erheblichen und nachhaltigen Beeinträchtigungen von Natur und Landschaft.“



<col width="210"></col> <col width="383"></col>

Nutzen der Planung (Planrechtfertigung)

Eingriffe in Natur und Landschaft

Verkehrsreduktion der Ortsdurchfahrt Starnberg um 8,5% (1.800 Kfz)

Zerstörung und Beeinträchtigung von geschützten Arten nach BNatSchG (=Verbotstatbestand)


Zerstörung und Beeinträchtigung von gemeinschaftsrechtlich geschützten Arten (=Verbotstatbestand)


Lage der Trasse im Landschaftsschutzgebiet (=Verbotstatbestand)


Wahrscheinliche Lage der Trasse auf 13d-Flächen (=Verbotstatbestand)


Zerstörung und Beeinträchtigung des Lebensraumes zahlreicher Roter Liste Arten.


Widerspruch mit den Zielen des Bayerischen Arten- und Biotopschutzprogramms


Lage der Trasse im Landschaftlichen Vorbehaltsgebiet der Regionalplanes


Widerspruch zu Zielen des Landesentwicklungsprogramms und des Regionalplanes.


Beeinträchtigung von Landschaftstypen mit hoher Schutzwürdigkeit für das Grundwasser


Beeinträchtigung des Naturdenkmals Galgenberg


Zerstörung von Wald mit besonderer Bedeutung für die Erholung (nach Waldfunktionsplanung)


Erhöhte Lärmbelastung im Erholungsgebiet Fünf-Seen-Land


Erhöhung der Kfz-Frequenz auf der Route Richtung A96, mit neuen Verkehrsproblemen in diesem Trassenbereich(z.B. Beeinträchtigung des Naherholungsgebietes Mamhofen und der Ortsdurchfahrten)



Die Eingriffe sind durch den marginalen Nutzen der Planung nicht zu rechtfertigen. Das beantragte Vorhaben ist nicht genehmigungsfähig und ist daher abzulehnen.


Mit freundlichen Grüßen



<col width="319"></col> <col width="273"></col>

Thomas Frey

Vertretung Regionalreferent

gez. Günter Schorn

Vorsitzender der BN-Kreisgruppe

Starnberg