Ein ehemaliger Neubürger

Die Rosskastanie  

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Die Rosskastanie ist kein heimischer Baum, ihre ursprüngliche Heimat liegt in den Gebiergstälern des nördlichen Griechenland und Mazedoniens. Aber die bayerische Biergartenkultur ist ohne den kühlenden Schatten der Kastanien nicht vorstellbar. Als Neubürger (seit wenigen hundert Jahren) wird sie von den Bayern nicht mehr wahrgenommen, sie ist eingebürgert

Die folgenden Zitate sind entnommen aus einem im Magazin der Süddeutschen Zeitung am 31.5.2004 abgedruckten Interview mit Beate Profé, Landschaftsplanerin und Leiterin des Referats für Stadtgrün und Freiraumplanung in Berlin.

"In ganz Deutschland sind die Kastanienbäume von der Miniermotte befallen. Die Larven graben Minen in die Blätter, daher der Name. Die Blätter verfärben sich braun und der Baum wirft die trockenen Blätter schon im Sommer ab. Die Kastanien sind durcheinander und treiben im Herbst noch mal neu aus. Im Oktober kann es dann sogar zu einer "Notblüte" kommen. Dann wird Frost für die blühenden Bäume besonders gefährlich. Das Immunsystem ist geschwächt und die Bäume sind anfällig für Krankheiten."

Kastanie

Im Herbst 2003 trieben auch bei uns die Kastanien am Bahnhof zugleich mit den Früchten noch eine Notblüte.

Kastanie

 

 

"Die Miniermotte kam erst vor ungefähr sechs Jahren aus Südosteuropa. Vermutlich aus Mazedonien, vielleicht sogar von noch weiter her - aus Pakistan, aber das wissen wir nicht sicher. Langsam wandert die Motte Richtung Nordwesten. Inzwischen ist auch Frankreich betroffen."

Es scheint also so, als ob der Schädling aus der ursprünglichen Heimat die Wanderung seines Wirtes nachverfolgt. Ich frage mich, ob der Befall in Mazedonien auch so stark ist oder nicht. Gibt es vielleicht dort noch einen Nützling, der die Motte in Grenzen hält. Und was würde passieren, wenn der sich auch auf den Weg macht?

Und wie kann man den Bäumen helfen? "Wir haben die Bürger ... aufgerufen, das Laub zusammen mit den Larven zu sammeln. Bleiben die Blätter auf dem Boden, überwintern die Mottenlarven selbst bei 20 Grad minus. Erst bei der Zersetzung der Blätter in Kompostieranlagen entstehen Temperaturen bis zu 55 Grad und die Larven sterben." "Es gibt kein zugelassenes chemisches Mittel, das die Tiere bekämpfen könnte."

Vor allem die weißblühenden Kastanien sind betroffen, die rotblühenden werden im Allgemeinen kaum befallen. Dies zeigt sich seit Jahren auch bei uns in Gilching, wo beide Arten in unmittelbarer Nachbarschaft stehen.

Im Herbst 2005 waren die Bäume noch geschwächter, es reichte bei dem 2003 blühenden nur noch für einen Nottrieb mit Büscheln aus kleinen grünen Blättchen.

Dafür blühte der nächste Baum, allerdings mit kleineren Blüten.

 

Die Kastanie treibt nur kleine Blätter aus (2005)

 

Hier sind die drei benachbarten Bäume zu sehen (2005)

 

Die Kastanie ohne Blätter aber mit Früchten und Blüten gleichzeitig (2005)

Im Frühling 2007 reichte die Kraft nur noch für den Austrieb von wenigen Blättern direkt aus dem Stamm.

 

Der letzte Notaustrieb (2007)

Aber auch diese Blätter waren so schwach, dass sie der Sonne nicht lange stand halten konnten. Im Sommer musste die Kastanie leider gefällt werden.

Inzwischen ist sie aber durch eine Neupflanzung ersetzt. Wir danken dafür und hoffen auf gutes Gedeihen.