Die Schlüsselblume

Die Wald-Schlüsselblume (Primulaceae: Primula elatior) ist eine in Gruppen wachsende, krautige Pflanze mit fünf blassgelben, radiär angeordneten Blütenblättern ohne Saftmale (Flecken) im Schlund der Blüte. Ein gängiges Synonym ist "Hohe Schlüsselblume".


Typischer Habitus der Wald-Schlüsselblume am natürlichen Standort.

Die Blüten duften nur geringfügig. Wald-Schlüsselblumen blühen von März bis Mai. Dem frühen Blühbeginn der Primeln wird der Gattungsname gerecht, denn lat. prima bedeutet "die erste"  (wobei primula lediglich eine Verkleinerungsform von prima ist).


Die Wald-Schlüsselblume besitzt fünf blassgelbe Blütenblätter, die an ihrer Basis kräftiger gelb gefärbt sind.

Wald-Schlüsselblumen überwintern mit einem Rhizom. Die Art erreicht eine Wuchshöhe von 10 bis 30 cm.


Seitenansicht eines Blütenstandes der Wald-Schlüsselblume.

Verbreitung und Lebensraum: Wald-Schlüsselblumen kommen in weiten Teilen Mittel- und Südeuropas vor. Die Art gedeiht gut auf feuchten, nährstoffreichen und lockeren Böden. Sie besiedelt auch schattige Standorte und ist in Auenwäldern, Schluchtwäldern, Eichen-Hainbuchen-Wäldern und auf Bergwiesen häufig zu finden (Verbreitungskarte von Primula elatior).

Ökologie: Bestäubt wird die Wald-Schlüsselblume von denjenigen Insekten, die einen langen Saugrüssel besitzen (vor allem Schmetterlinge und Hummeln). Honigbienen haben einen kürzeren Saugrüssel, weshalb sie gerne den Blütenkelch anstechen oder aufbeißen, um seitlich an den Nektar zu gelangen; dabei übertragen sie jedoch keinen Blütenstaub.

Der Schlüsselblumen-Würfelfalter (Hamearis lucina) legt seine Eier in kleinen Gruppen an der Blattunterseite von Schlüsselblumen ab; die Raupen ernähren sich dann später von den grünen Blättern.

Die Samen der Wald-Schlüsselblume werden mit dem Wind verbreitet.

Pharmakologie und Einsatzgebiete: Die Wald-Schlüsselblume enthält ebenso wie die Arznei-Schlüsselblume (Primula veris)(Verbreitungskarte) Triterpensaponine, darunter Primulasäure A; außerdem Phenolglykoside wie Primulaverin.


Detail der dottergelben Blüte einer Arznei-Schlüsselblume mit fünf orangefarbenen Saftmalen.

Im Kelch weisen beide Arten Saponine auf, in den Kronen hingegen Flavonoide, Carotinoide und ätherisches Öl. Dank der Flavonoide kann man mit den Blüten in kochendem Wasser Ostereier gelb färben.

Die Wurzeln beider Primelarten werden bei Erkrankungen der Atemwege genutzt, da sie schleimlösende Wirkstoffe enthalten. Seit jeher ist ein Extrakt der Arznei-Schlüsselblume Bestandteil der Ricola-Kräuterbonbons ("Schweizer Kräuterzucker").

Daneben existieren zahlreiche Fertigpräparate, beispielsweise Sinupret, Primotussan T und Sinuforton.
In der Homöopathie wird die Schlüsselblume bei Kopfschmerzen und Hautausschlägen eingesetzt. Früher nutzte man die Rhizome als Niespulver.

Gefährdung und Schutz: Beide Schlüsselblumenarten sind in Deutschland regional gefährdet und stehen daher unter Naturschutz.

Text und Photos von Diplom-Biologe Michael J. Stiegler,
BN-Ortsgruppe Berg, BN-Berg@gmx.de

Die Verbreitungskarten sind der Seite http://www.floraweb.de
des Bundesamtes für Naturschutz entnommen.