Die Sal-Weide

Die Sal-Weide (Salicaceae: Salix caprea) ist diözisch (zweihäusig) und kommt als großer Strauch oder Baum vor, der bis zu 15 Metern Wuchshöhe erreichen kann. Bereits Anfang März blüht diese Art, weshalb sie eine wichtige, erste Futterpflanze für Honigbienen darstellt.

Zwischen März und April entwickeln sich (vor dem Laubaustrieb) die eingeschlechtigen Blütenstände der Sal-Weide, die so genannten Weidenkätzchen. Die Tragblätter der Blüten sind zweifarbig: unten schwarz und oben silbrig-weiß. Im jungen Zustand erscheinen uns die lang behaarten Kätzchen angenehm pelzig.

Insekten bestäuben die Blüten der Sal-Weide. Die männlichen Kätzchen fallen nach der Blüte ab. Bei den weiblichen Pflanzen reifen ab Mai trockene, grüne Kapselfrüchte mit zahlreichen Samen, die flaumig behaart sind und an ihren Haarschöpfen zusammenhängen. Die Samen werden vom Wind verbreitet. Sal-Weiden können ein Alter von 60 bis 65 Jahren erreichen.

Verbreitung und Lebensraum: Die Sal-Weide kommt in ganz Europa vor und findet sich auch noch in Mittelasien. In Bayern ist sie eine häufige Art mit großflächiger Verbreitung. Im äußersten Süden Europas fehlt sie hingegen.

Sal-Weiden gedeihen gut auf nährstoffreichen Böden, können aber als Pionierart auch an schlechteren Standorten (beispielsweise Brachflächen, Schutthalden, Kahlschlägen) auf steinigen oder lehmigen Böden wachsen.

Ökologie: Viele Tiere nutzen die Sal-Weide, was sie zu einer ökologisch wichtigen Art macht. Mehr als 70 Schmetterlingsarten fressen als Raupe die Blätter oder trinken als Schmetterling den Nektar. Der Moschusbock (ein Bockkäfer) ernährt sich vom Pflanzensaft der Sal-Weide. Dem Wild dient sie zur Wildäsung und als Deckungsstrauch.

Brauchtum: Die Sal-Weide spielt eine große Rolle im bayerischen Brauchtum. In vielen Gegenden schneidet man Palmkätzchenzweige und bindet daraus einen Palmbuschen, der während des Gottesdienstes am Palmsonntag geweiht wird. Später befestigt man ihn am Kruzifix im Herrgottswinkel oder an Heiligenbildern, um das Haus und dessen Bewohner vor Ungemach zu schützen.

Pharmakologie: Weidenrinde enthält (je nach Art mehr oder weniger) Salicylsäure. Dieser Inhaltsstoff wurde schon vor mehr als 100 Jahren als Konservierungsmittel genutzt. Bereits den Germanen und Kelten war bekannt, dass Weidenrinde Substanzen enthält, die fiebersenkend wirken und Kopfschmerzen beseitigen.

Im Jahre 1897 bekam die acetylierte Form des wichtigsten Wirkstoffes einen Handelsnamen und wurde im Laufe der Zeit weltweit bekannt: Aspirin (wissenschaftlich: Acetylsalicylsäure).

Text und Photos von Diplom-Biologe Michael J. Stiegler
(Ausnahme: Aspirin-Flasche), BN-Ortsgruppe Berg, Telefon (08151) 3249

 

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