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Neupflanzung von sieben Hochstämmen auf der Streuobstwiese in Söcking

Ende November, gerade noch rechtzeitig vor dem Wintereinbruch, hat die Ortsgruppe Starnberg nun auf der seit 15 Jahren bestehenden Streuobstwiese in Söcking sieben neue Hochstämme gepflanzt: zwei Zwetschgen- und fünf Apfelbäume.

 

01.02.2024

Streuobstwiesen sind ein wertvoller Bestandteil unserer artenreichen Kulturlandschaft. Diese von Menschenhand geschaffenen Naturparadiese sind  Lebensraum für bis zu 5000 Tier- und Pflanzenarten und damit Hotspot der Biodiversität. Der Ursprung von großflächig angelegten Streuobstwiesen in Deutschland reicht bis ins 16. Jahrhundert zurück und erreichte seinen Höhepunkt im 18. und in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Man hatte ein doppeltes Anbausystem geschaffen: unten Gras, Weide oder Acker, oben Obstbaum. Als Nebeneffekt stellte sich eine große Fülle der Artenvielfalt in den alten, knorrigen Obstbäumen und auf der darunter liegenden, extensiv bewirtschafteten Wiese ein.

Im Zuge des Strukturwandels der Landwirtschaft hin zu Intensivierung und Kosteneffizienz nahm die Zahl der Streuobstwiesen und der langlebigen Hochstamm-Obstbäume in Bayern um 70% dramatisch ab, zugunsten von Plantagen-Obstbau mit kleinwüchsigen Obstbäumchen. Die kleinen Plantagenbäume haben eine deutlich kürzere Lebensdauer und können im Gegensatz zu alten Hochstämmen weder bis zu 1000 verschiedenen Insektenarten noch Buntspecht, Steinkauz oder Fledermäusen Unterschlupf bieten. Auch die artenreichen Wiesen unter den Obstbäumen fielen dem Plantagenanbau zum Opfer.

Streuobstwiesen gehören heute zu den stark gefährdeten Lebensräumen. Um diesem Trend entgegenzuwirken, hat die Bayerische Staatsregierung mit wichtigen gesellschaftlichen Gruppen, u.a. dem Bund Naturschutz, den Bayerischen Streuobstpakt geschlossen, der auch von Fachleuten als sehr positiv und gut gemacht bewertet wird. Bis 2035 sollen mit Hilfe dieser Förderung zusätzlich 1 Mio. Hochstamm-Obstbäume gepflanzt und bestehende Streuobstwiesen erhalten werden.

Ende November, gerade noch rechtzeitig vor dem Wintereinbruch, hat die Ortsgruppe Starnberg nun auf der seit 15 Jahren bestehenden Streuobstwiese in Söcking sieben neue Hochstämme gepflanzt: zwei Zwetschgen- und fünf Apfelbäume.

Die Stadt Starnberg hatte das zwischen der Alersbergstraße und dem Sportheim liegende Grundstück vor Jahren der Ortsgruppe zur Pflege überlassen. Aufgrund schwieriger Bodenverhältnisse und Schäden durch Wühlmäuse waren einige der alten Obstbäume nicht gut gediehen oder sogar abgestorben.

Große Unterstützung erhielt die Ortsgruppe von den Mitarbeitern des Bauhofes der Stadt Starnberg, die große Pflanzlöcher aushoben, mit guter Erde auffüllten, und damit den Boden optimal für die Pflanzung vorbereiteten. So konnten jetzt im Herbst unter besten Bedingungen die sieben Hochstämme mit Wühlmausschutz eingepflanzt werden.

Die Apfelbäume stammen von zwei ökologisch arbeitenden Apfelbauern aus der unmittelbaren Umgebung. Sie sind an die hiesigen klimatischen Bedingungen gut angepasst und damit kaum anfällig für Krankheiten und Schädlinge.

Da das Projekt zu klein für eine Förderung im Rahmen des Bayerischen Streuobstpaktes war, wurde es finanziell vom Landkreis Starnberg getragen.

Sehr dankbar sind wir auch für die ausgesprochen gute und hilfreiche Zusammenarbeit mit Frau Burger, Abteilung Grünplanung und Naturschutz der Stadt Starnberg, und mit Frau Gansneder von der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamtes.

Wer etwas für den Erhalt von Streuobstwiesen tun will, sollte gezielt Obst, alte Obstsorten und Obstprodukte wie z.B. Apfelsaft aus Streuobstbeständen der Region kaufen und ggf. auch in Geschäften danach fragen. Denn Streuobstwiesen werden vor allem dann eine Zukunft haben, wenn sich ihre Nutzung für die Besitzer auch wirtschaftlich lohnt. Beim Einkauf bei Direktvermarktern kommt der Gewinn direkt dem Landwirt und damit auch den Streuobstbeständen zugute.

Christine Ried, Ortsgruppe Starnberg

Quellen:

  • Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz: Der bayerische Streuobstpakt – ein Meilenstein für die Erhaltung der Kulturlandschaft
  • Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus: Streuobstwiesen – das macht sie so wertvoll
  • BUND Naturschutz in Bayern e.V.: Die Streuobstwiese – Lebensraum und Naturparadies aus Menschenhand
  • Streuobstportal Baden-Württemberg: Geschichte des Streuobstes
  • Bee careful: Die Geschichte der Streuobstwiesen